Embodiment

In einer meiner Online-Gruppen "Atemzentrierte Körperarbeit" kamen wir
in Verbindung mit einer Übung auf die Zusammenhänge und subtilen Wechselwirkungen von Sprache, Körper und Emotionen zu sprechen.

 

Ich bat die Teilnehmenden zunächst darum, den sprachlichen Ausdruck "den Kopf hängen lassen" in eine Körperhaltung umzusetzen; anschließend dann den Ausdruck "den Kopf sinken lassen".

 

Eine Teilnehmerin fasste in Worte, was alle bestätigten:

"Den Kopf hängen lassen" bewirkt auch hängende Schultern und eine gebeugte Haltung des Oberkörpers. Damit einher geht ein Gefühl von Traurigkeit, Resignation.

 

Bei der Aufgabe, den Kopf auf die Brust sinken zu lassen (der Beginn einer Wahrnehmungsübung), blieben Schultern und Rücken gerade. Das Gefühl von Traurigkeit und Resignation kam nicht auf.

 

Body and mind

Die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche, Embodiment genannt, ist ein spannendes Forschungsfeld, das in den vergangenen 20 Jahren an öffentlicher Aufmerksamkeit gewonnen hat. Das Wissen um diese Zusammenhänge ist schon sehr alt. Es spiegelt sich  in unseren sprachlichen Bildern wider. Und es ist selbstverständliche Annahme in alt überlieferten spirituellen Anschauungen und Praktiken - nicht nur aus dem asiatischen Raum, sondern auch in unserem abendländischen Kulturkreis. Inzwischen kann allerdings vieles, was Mystiker unterschiedlicher Religionen in ihrem tiefsten Innern "wussten", wissenschaftlich belegt und nachgewiesen werden.

So, wie eine Emotion eine Körperhaltung hervorruft, kann umgekehrt eine Körperhaltung eine Emotion auslösen. Dieses Wissen können wir uns zunutze machen.

Es ist sicherlich in Ordnung, wenn wir negativen Emotionen Raum geben. Sie zu verdrängen, hilft ja nicht wirklich weiter. Aber wir können mit einer bewusst eingenommenen Körperhaltung versuchen, uns davon zu lösen.

 

Atem, Körper, Psyche

Nun bin ich zwar weder Neurowissenschaftlerin, noch Psychologin. Aber als Atempädagogin bin ich mit diesem Thema immer befasst. Der Atem hat hier eine Schlüsselposition inne. Er zeigt uns, wo wir körperlich und mental blockiert sind. Wenn wir gestresst sind, atmen wir flach. Wenn wir uns anstrengen, halten wir vielleicht die Luft an. Wenn wir uns entspannen, atmen wir auf. Wir können allerdings auch umgekehrt über die Lösung des Atemgeschehens in die Entspannung finden, Aufregung vermindern, Körper und Geist durchlässig werden lassen.

 

Music, mind, and body

Auch als Musikpädagogin und Musikvermittlerin beschäftige ich mit der Thematik. Auf der einen Seite in der Atemzentrierten Körperarbeit mit Musikstudierenden und Klavierschüler*innen, also mit Menschen, die aktiv musizieren. Auf der anderen Seite erforsche ich zur Zeit auch, wie die Atemarbeit vertieftes Zuhören ermöglichen kann. Dies betrifft nicht nur die Suche nach neuen Wegen des Musik-Erlebens, sondern auch eine gesellschaftliche Kultur des (einander) Zuhörens.

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