Einen langen Atem haben

Wir alle haben Phasen im Leben, in denen Flaute herrscht und uns der Wind aus den Segeln genommen wurde. Es geht scheinbar nichts voran.

Gegen eine solche Situation aufzubegehren nutzt uns nichts, es vergeudet eher kostbare Energie. Das Erste, was zu üben ist, ist die Situation zu akzeptieren. Das bedeutet nicht, dass wir sie passiv hinnehmen sollen. Akzeptieren beinhaltet vielmehr zunächst ein Innehalten und das Loslassen des Aufbegehrens.

 

Die Corona-Pandemie hat vielen von uns den Wind aus den Segeln genommen. Gerade den Freiberuflern, zu denen ich mich zähle. Ich kenne Menschen, deren Geschäft, das sie über Jahre mit Herzblut und viel Arbeit und Energie aufgebaut haben, sich ins Nichts aufgelöst hat. Die Unplanbarkeit macht es unmöglich, den Faden einfach wieder aufzugreifen; womöglich reißt er ganz ab. Andere wiederum konnten mit ihren Angeboten auf die Online-Schiene umschwenken, was jedoch auch eine Herausforderung ist und Flexibilität und die Bereitschaft, sich Neues anzueignen, verlangt.

 

Herausforderungen als Teil unseres Entfaltungsweges

Sich Herausforderungen zu stellen, flexibel zu sein, die Bereitschaft zu oder die Lust an lebenslangem Lernen zu haben ... - dies sind Eigenschaften, ohne die ein Freiberufler-Dasein nicht gelingen kann. Und von diesen Stärken zehren wir gerade.

Genau betrachtet sind dies Qualitäten, die meines Erachtens grundsätzlich für ein resonantes Leben stehen. Damit meine ich nicht ein Leben, in dem alles glatt läuft, sondern ein Leben im Sinne eines lebenslang währenden Entfaltungsweges.

 

Der Atem als Lehrmeister

Wenn dieser Weg zeitweise unüberschaubar, unplanbar und schwierig ist, kann uns das übende Umgehen mit unserem Atem eine Hilfe sein. Die großen Atemlehrer*innen des vergangenen Jahrhunderts nannten den Atem einen Lehrmeister. Seit ich mich auf diesem Übungsweg befinde, wird mir immer deutlicher, wie das Atemgeschehen und das Üben die anderen Ebenen unseres Lebens widerspiegeln. In meinem Blog-Artikel über die Atempause habe ich bereits über diese Zusammenhänge geschrieben.

 

Der lange Atem

Unsere Sprache greift solche Zusammenhänge in ihren weisen Bildern immer wieder auf. Den langen Atem wortwörtlich einzuüben schafft Wirkung nicht nur auf der physiologischen Ebene, sondern auch mental und im Leben überhaupt. Wichtig ist dabei das bewusste, erwartungsfreie und schauende Üben - eine Haltung, die uns im Leben grundsätzlich hilfreich ist.

Oft ist es leichter - gerade in schwierigen Situationen - sich auf die leichter verfügbare Ebene des Übens zu begeben. Das schafft uns zwar die Probleme nicht vom Halse, aber es hilft uns, damit umzugehen.

Folgende kleine Übung ist solch eine Möglichkeit - in akuten Situationen oder auch als tägliches Exerzitium:

 

Atemübung

Setzen Sie sich aufrecht hin und schließen Sie die Augen. Lassen Sie den Ausatem auf ein weich geformtes "f" möglichst gleichmäßig und ohne Druck ausströmen. Dieses Ausatmen können Sie gerne mit einer Bewegung der Hände und Arme begleiten. Ist der Ausatem zu Ende, warten Sie, bis der Einatem von selbst wiederkommt. Dann beginnen Sie wieder mit dem "f". Diese Abfolge wiederholen Sie für einige Minuten bzw. so lange, bis Sie ihre wohltuende Wirkung spüren.

Diese Übung schenkt Gelassenheit, Konzentration und neue Energie.

 

Übungen dieser Art und eine Veranschaulichung der Zusammenhänge finden Sie in meinen Büchern und Hörbüchern.

 

 

 

 

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