Wer will ich sein?

Wer will ich sein? - Das ist eine Frage, die wir uns nicht nur zur Faschingszeit stellen sollten, sondern immer wieder einmal. Kinder wissen sehr genau, wer sie sein wollen, egal ob es um die Rolle geht, in die sie mit ihrem Faschingskostüm schlüpfen, oder um das, was sie einmal werden wollen: Astronaut, Tierärztin etc.

Uns Erwachsenen fällt es meist schwerer, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Auch geht es nicht nur darum, welchen Beruf ich ausüben möchte, sondern wie ich ganz umfassend als Mensch sein möchte: Was mir wichtig ist. Welche Werte ich habe. Wie ich leben möchte.

 

Die Faschingstage bieten hier durchaus die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Wenn Ihre Verkleidung nicht nur aus einer schrillen Krawatte oder einer bunten Perücke besteht, sondern Sie wirklich in eine bestimmte Figur schlüpfen, können Sie ganz viel über sich selbst erfahren. Zu welcher Figur oder Rolle zieht es Sie hin? Die Psychologie bestätigt uns, dass das, was wir im Außen anziehend finden, auch in uns selbst zu finden ist. Es bringt etwas in uns zum Klingen, wir gehen in Resonanz damit. Allein diese beiden Wörter "Resonanz" und "Klingen" legen nahe, dass es hier auch um unser Stimmig-Werden geht.

 

Prinzessin oder Königin?

Vor kurzem fragte ich ein fünfjähriges Mädchen, was sie sei - Prinzessin oder Königin. Sie hatte ein weißes Kleid an und eine Krone auf dem Kopf. Auf den ersten Blick eine Prinzessin. Stutzig machte mich jedoch der große purpurfarbene Kragen, den sie sich um die Schultern gelegt hatte. Die Antwort kam prompt: Königin! Es war völlig klar und passte zu der Würde, die diese kleine Person auch ohne Königinnenkostüm ausstrahlt. Versetzen Sie sich einmal in diese beiden Rollen. Sie werden bemerken, dass es sich total unterschiedlich anfühlt, ob Sie nun  Prinz/Prinzessin oder König/Königin sind.

 

Seeräuber, Batman, Pippi Langstrumpf, Zauberer und Hexe

Sollten Sie also noch eine Faschingsveranstaltung vor sich haben, wählen Sie Ihre Verkleidung ganz bewusst und leben Sie diese Rolle für einen Abend lang. Sonst eher brave Frauen werden im Pippi-Langstrumpf-Outfit keck, lustig und frech. Im Alltag eher unauffällige Männer bekommen plötzlich als Zauberer oder Batman eine ganz andere Ausstrahlung. Das Kostüm verändert auch die innere Haltung - bzw. zeigt Facetten der Persönlichkeit, die im Alltag oft verborgen sind.

 

Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei!

Das närrische Treiben findet zwar am Aschermittwoch sein Ende, wie am Faschingsdienstag ganz wehmütig gesungen wird, die Möglichkeit Rollen auszuprobieren haben wir jedoch das ganze Jahr über. Es funktioniert nämlich auch ohne Verkleidung. Probieren Sie es aus. Tauchen Sie als Übung in eine Rolle ein. Spüren Sie: Wie fühlt es sich an? Welche innere und äußere Haltung entwickle ich dabei? Vielleicht möchten Sie diese Haltung auch im Alltag ausprobieren und sie sich eventuell sogar ganz zu eigen machen. Wie verändert das Ihre Kommunikation und Ihr Umfeld?

Ein interessantes Forschungsprojekt  auf Ihrem Weg zur persönlichen Stimmigkeit .

Ich wünsche Ihnen Mut zum Ausprobieren und interessante Erkenntnisse.

 

 

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